Ob Wanderfalken, Milane oder Adler: In den 1950er- bis 1970er-Jahren brachen viele Greifvogelbestände stark ein. Als Hauptgrund galt das Pestizid DDT, das zu dünneren Eierschalen führte, wodurch kaum noch Nachwuchs schlüpfte.
Forschende der Vogelwarte Sempach haben nun demografische Langzeitdaten einer grossen Wanderfalken-Population im Jura unter die Lupe genommen. Die Daten waren während 60 Jahren von Freiwilligen erhoben worden. Die Analyse zeigt: Die verringerte Fortpflanzung war während der Krisenjahre nur zu rund 16 % für den Bestandeseinbruch verantwortlich. Hingegen zeigte sich in den Daten eine drastisch verringerte Überlebensrate der Adultvögel. Dies deutet darauf hin, dass ein anderes giftiges Pestizid namens Dieldrin, das die Vögel direkt tötete, eine viel grössere Rolle spielte als DDT. Diese Erkenntnis ist neu.
Der Falkenbestand sank bis in die frühen 1970er-Jahre und erholte sich erst etwa zur Jahrtausendwende wieder. Während der Erholungsphase nach dem Verbot der Pestizide war die Sterblichkeit der Adultvögel nicht mehr erhöht – dazu passt, dass Dieldrin eine kurze Halbwertszeit hat. DDT hat hingegen eine Halbwertszeit von 12 bis 57 Jahren; das Problem der zu dünnen Eierschalen manifestierte sich denn auch noch länger. Die Studie zeigt eindrücklich, wie wichtig langfristige Beobachtungen sind, um Umweltveränderungen zu verstehen.
Kéry M. et al. in: EcoEvoRxiv (2025) (prepint). doi.org/10.32942/X2R05B
Wanderfalken-Krise: Nicht nur DDT war schuld