Das Wengimoos im oberen Limpachtal zwischen Bern und Biel, das sind Riedwiesen, ein grosser Weiher und weitere Tümpel, Schilfflächen, Auenwald und Neuntöter-Hecken. Mit seinen 33 Hektaren handelt es sich um den letzten erhaltenen Teil einer ehemals weiten Moorlandschaft. Das Gebiet wird seit 1961 von der Berner Ala – heute BirdLife Bern – betreut. Durch viele Renaturierungsmassnahmen hat es sich zu einem erfolgreichen Beispiel für gelungenen Naturschutz entwickelt und ist heute ein Flachmoor und Amphibienlaichgebiet von nationaler Bedeutung (siehe Ornis 4/15). Als ab 2014 der Biber die Landschaft umgestaltete, stellte sich rasch die Frage, was dies für die Natur und die Lebensräume bedeutet. Heute, zwölf Jahre später, kann BirdLife Bern eine erste Bilanz ziehen.
Doch der Reihe nach. Die Aufwertungsarbeiten im einst stark verbuschten Feuchtgebiet starteten 1977 mit dem Bau eines grossen Teiches. In den 1990er-Jahren installierte die Berner Ala ein Überflutungssystem, das natürliche Hoch- und Niedrigwasserphasen nachbildet. Dadurch verbesserten sich die Bedingungen für Amphibien, Libellen, Rallen und Watvögel erheblich, während die Pflege der Moorflächen durch temporäres Ablassen des Wassers erleichtert wurde. Wenige Jahre später erwarb die Berner Ala zusätzliche Grundstücke. Drei Viertel aller wichtigen Riedparzellen und die Flächen im Zentrum des Naturschutzgebietes befinden sich seither im Besitz von BirdLife Bern. 2013 und 2014 folgten weitere bedeutende Renaturierungsmassnahmen: Die zentralen Moorflächen wurden vernässt und die mittlerweile stark bewachsene Insel entfernt. Bereits kurze Zeit später bildeten sich neue Flachwasserbereiche, die zahlreichen Zugvögeln als Rastplatz dienten.
Der Kiebitz kehrt zurück
Die positiven Auswirkungen der Arbeiten liessen nicht lange auf sich warten. Schon 2014 kehrte der Kiebitz als Brutvogel zurück. Gleichzeitig nahm die Zahl rastender Watvögel deutlich zu. Der neu gestaltete Teich wurde vom Zwergtaucher als Brutplatz angenommen, und auch seltene durchziehende Vögel wie Seidenreiher, Fischadler und Entenarten profitierten.Gleichzeitig besiedelte auch der Biber das vergrösserte Gewässer – und dies hatte Folgen: «Das sieht hier aber ganz anders aus als früher», meinte jemand an einer BirdLife-Exkursion im März dieses Jahres. Der Biber begann schon kurz nach seiner Ankunft, den Limpach zu stauen. Später verlegte er den Damm bachabwärts, sodass heute praktisch der gesamte Stau innerhalb der Naturschutzgrenzen liegt – und sich Einwände aus der Landwirtschaft erübrigen.
Entscheid: Der Biber darf stauen
Unterdessen könnte der Biberdamm nicht höher sein. Etwa vier Hektaren des Moors sind deswegen deutlich vernässt und können nicht mehr gemäht werden. Bei weiteren vier Hektaren ist dies mit einem Raupenfahrzeug noch möglich. Orchideenvorkommen und der betroffene Moorbläuling machten Abklärungen nötig, ob am Damm eingegriffen werden sollte. Das Fazit der Abklärungen: Am Biberbauwerk soll nichts verändert werden. Denn der Vorteil der Vernässung überwiegt deutlich – etwa mit der Eindämmung des Weidenwachstums durch den hohen Wasserstand auf der einst abgeschürften Fläche. Diesen Effekt unterstützen auch die seit 2025 weidenden Schottischen Hochlandrinder, denen etwa drei Hektaren Ried und eine halbe Hektare trockene Weide zur Verfügung stehen.
Der Kiebitz brütet nach wie vor in ein bis drei Paaren pro Jahr, leider mit geringem Bruterfolg. Zum einen sorgen Prädatoren wie der Fuchs für Verluste, zum anderen vermuten wir, dass der Lebensraum für den Kiebitz zu wenig offen ist: Der Watvogel mag es nicht, wenn in der nahen Umgebung Bäume und andere höhere Strukturen vorkommen.
Überwinternde und durchziehende Limikolen hingegen schätzen die neue Situation besonders. Es überwintern Bekassine und Zwergschnepfe. Auf dem Durchzug rasten so viele Kampfläufer wie noch nie, sowie Stelzenläufer, Rot- und Grünschenkel wie auch Wald- und Bruchwasserläufer. Der erweiterte Teich mit seinem Schilfgürtel hat dem Wengimoos zudem den Drosselrohrsänger und die Zwergdommel als neue regelmässige Brutvögel gebracht. Die Bestandsaufnahmen ergaben 2025 je fünf Reviere des Rohr- und des Feldschwirls. Neu brüten das Schwarzkehlchen und der Schwarzmilan in ein bis zwei Paaren. Mit einem Brutversuch bewies auch die Rohrweihe, dass das Gebiet für Riedbewohner lebenswerter wurde.
Positives gibt es aber auch sonst zu berichten. Ab 2018 saisonal und ab 2020 definitiv konnte ein querender Weg geschlossen werden, was zu merklich weniger Störungen im Gebiet führte. Dank eines durch die Gemeinde Wengi auf allen Feldwegen eingeführten Fahrverbots für motorisierte Fahrzeuge ist ebenfalls mehr Ruhe eingekehrt. Als grösste Störungsquelle bleibt der Weg entlang des Limpachs mitten durch das Naturschutzgebiet. Dessen Aufhebung wird wohl sehr schwierig und benötigt sehr viel Überzeugungsarbeit. Weiter gilt das Wengimoos dank der Unterstützung aller kantonalen Fachstellen seit dem Jahr 2024 als Jagdbanngebiet. Die störenden Treibjagden auf Wildschweine mit Hunden, die bellend kreuz und quer das Ried durchstöbern, gehören der Vergangenheit an.
Viele helfen mit
Das Wengimoos erfreut sich heute bei Vogelbegeisterten grosser Beliebtheit. Viele Interessierte, Vereine, Firmen und Behörden nehmen an Exkursionen teil. Zahlreiche Privatpersonen unterstützen die kantonalen Stellen und das Betreuerteam tatkräftig beim jährlich anfallenden Unterhalt von Kopfweiden oder Hecken.
Als wichtige Voraussetzung für Aufwertungsmassnahmen stellte sich die Tatsache heraus, dass BirdLife Bern im Wengimoos 15 Hektaren Land besitzt. Das neue bäuerliche Bodenrecht erschwert leider den weiteren Kauf von Landparzellen erheblich, selbst wenn diese dem in der Bundesverfassung festgeschriebenen Moorschutz dienen sollen. So fehlt dem Reservat auch fast 40 Jahre nach der Rothenthurminitiative die vorgeschriebene ökologisch ausreichende Pufferzone.
Der Einsatz für eine weitere Extensivierung der Bewirtschaftung geht weiter, werden doch innerhalb des Naturschutzgebietes noch immer mehr als neun von 33 Hektaren intensiv landwirtschaftlich genutzt. Als nächster Schritt können davon etwa drei Hektaren am Nordrand des Gebietes ab 2027 ausgemagert und mit Hecken bepflanzt werden. Die Qualität wird weiter steigen.
Daniel Friedli ist pensionierter Lehrer. Er betreut das Schutzgebiet Wengimoos seit 1983 für die Ala. Von 1994 bis 2024 war er im Vorstand der Berner Ala, heute BirdLife Bern.
Die Aufwertungsmassnahmen wurden mitfinanziert durch: Kanton Bern, Abteilung Naturförderung; Lotterie- und Renaturierungsfonds des Kantons Bern; BKW-Ökofonds; Fonds Landschaft Schweiz; Stotzer-Kästli Stiftung; Peter + Cornelia Hostettler Stiftung. Vielen Dank!
Naturschutz per Nagezahn