Die Natur-Netzwerker

Verein Naturnetz Unteramt. In den Gemeinden Bonstetten, Stallikon und Wettswil ZH ist eine äusserst aktive SVS-Sektion am Wirken. Sie hat schon etliche Hektaren Land gekauft und betreut Magerwiesen, Waldflächen und Feuchtgebiete. Es profitieren auch seltene Arten wie die Kreuzkröte oder die Schlingnatter.


An diesem windigen Tag im März präsentiert sich das Naturschutzgebiet «Ölerde-Deponie» in der landwirtschaftlich genutzten Ebene bei Wettswil am Albis ZH noch in diversen Brauntönen. Das Gras spriesst noch nicht, Blumen sind ausser dem Huflattich noch keine auszumachen. Doch bald wird es hier ganz anders aussehen. In den Magerwiesen und dem kleinen Hang­ried wird das Leben mit voller Pracht zurückkehren, ein bunter Strauss von Wiesenblumen wird blühen und viele Orchi­deen, so etwa die seltene Bienenragwurz. Schiefkopfschrecke, Grosse und Kleine Goldschrecke und weitere Heuschrecken werden zirpen, Bläulinge in neun Arten über die Blumen flattern, und in kleinen Teichen werden sich Gelbbauchunken und Kreuzkröten verstecken. Die Steinhaufen sind von Zauneidechse und Schlingnatter bewohnt. 

Dass es hier, in diesem rund fünf Hektaren grossen Gebiet direkt an der S-Bahnlinie Zürich–Zug heute so aussieht, ist vor allem einem Verein zu verdanken: dem Verein Naturnetz Unteramt, der lokalen Sektion des SVS/BirdLife Schweiz. Über Jahrzehnte lagerte hier der Kanton Zürich ölverschmutzte Abfälle in einer offenen Deponie. Als diese dann 1999 geschlossen wurde, war der Verein an vorderster Front dabei und konnte ein Grobkonzept zur Neugestaltung einbringen. Mit Erfolg: Die Grundidee, das Gelände neu für den Naturschutz zu nutzen, wurde allseits begrüsst. So konnte das Gebiet schon wenige Jahre nach der Schliessung wieder von der Natur zurückerobert werden.

Aktueller Gebietsbetreuer ist Harald Cigler, der frühere Präsident des Vereins Naturnetz Unteramt. Während unserer Begehung erzählt er mit viel Begeisterung, was er in der über zehnjährigen Zusammenarbeit mit der Fachstelle Naturschutz des Kantons Zürich schon alles umsetzen konnte: Amphibienteiche, Kleinstrukturen aller Art, Hecken, Ruderalflächen und spät geschnittene Magerwiesen. «Die Teiche können wir im Winter trockenlegen», erzählt der ausgewiesene Amphibienspezialist. «So bleiben die Seefrösche weg, womit die seltenen Kreuzkröten, Unken und Laubfrösche wieder eine Chance haben.» 

Kreuzkroete Akrebs
Auch die Kreuzkröte profitiert von den Massnahmen der SVS-Sektion. © Albert Krebs
Sumpfrohrsaenger Mschaef
Entlang einer Bahnlinie brüten mehrere Paare des Sumpfrohrsängers. Dank des Vereins wird erst gemäht, wenn die Jungen ausgeflogen sind. © Mathias Schäf


Das Naturschutzgebiet «Ölerde-Deponie» ist nur eines von zahlreichen Gebieten, die der Verein Naturnetz Unteramt inzwischen betreut oder mitgestaltet. Gleich nebenan konnte die SVS-Sektion in den 1990er-Jahren erreichen, dass ein Bach aus seinem engen Kanalkorsett geholt und renaturiert wurde. Inzwischen werden auf einer feuchten Wiese entlang des Baches Wasserrallen und Bekassinen gesichtet. Weiter sichert der Verein Jahr für Jahr etliche Nester des Sumpfrohrsängers entlang der Bahnborde und der kilometerlangen Kanäle in der Ebene. «Wir haben erreicht, dass die Borde der SBB erst nach der Brutzeit gemulcht werden», sagt Walter Zuber, der aktuelle Vereinspräsident, der auch Ehrenmitglied des SVS ist. «Zudem werden die Kanalborde nun nicht mehr gemulcht, sondern nur noch mit dem Balkenmäher geschnitten.»

Verein prägt Landschaft mit


Die äusserst aktive Sektion mit ihren rund 200 Mitgliedern ist in drei Gemeinden aktiv: in Bonstetten, Stallikon und Wettswil. Obwohl die drei Dörfer sehr nah bei Zürich liegen und auch hier ständig neue Wohnsiedlungen gebaut werden, blieben bis heute erstaunliche Naturwerte bewahrt. So etwa das Wettswiler «Beerimoos», ein Flachmoor von nationaler Bedeutung, das der Verein Naturnetz Unteramt seit über 40 Jahren tatkräftig betreut. Oder die drei «Ziegelei­weiher» beim Bahnhof Bonstetten-Wettswil, für die der Verein ein Naturschutzkonzept erarbeitete. 

Reppischtal

Dass das Reppischtal (hier bei der Aumüli) noch so reich an natürlichen Lebensräumen ist, ist auch dem Verein Naturnetz Unteramt zu verdanken. Die Magerwiese ganz im Vordergrund gehört neu auch dem Verein. © Stefan Bachmann/SVS


Die schönsten Naturstandorte wie Magerwiesen, Flachmoore oder naturnahe Wälder finden sich aber im Reppischtal gleich hinter dem Üetliberg, das zu weiten Teilen zu Stallikon gehört. Der Verein Naturnetz Unteramt ist massgeblich daran beteiligt, dass auch in diesem bäuerlich geprägten Tal mit mehreren wunderschönen alten Weilern die Landschaft heute noch derart naturnah ist. Er half mit, die Naturwerte entlang der Reppisch zu kartieren, wonach der Kanton und die Gemeinden die wichtigsten Flächen unter Schutz stellten. Und er konnte immer wieder kleinere oder grössere Flächen kaufen oder pachten, so eine extensive Weide, mehrere Magerwiesen und neuerdings ein 7,6 Hektaren grosses Wald- und Wiesenstück, in dem schon das Haselhuhn gesichtet wurde. «Wir wollen das Gebiet aufwerten, so dass die Verzahnung zwischen dem Wald und den beiden Magerwiesen ausgeweitet werden kann», erzählt Walter Zuber. 

Der Verein konnte immer wieder Flächen kaufen oder pachten.


Gutes Beziehungsnetz


Das Geld für die Landkäufe stammt zur Hauptsache aus Bewirtschaftungsbeiträgen. «Unsere jährlichen Pflegeeinsätze in den Schutzgebieten werden vom Kanton und von den Gemeinden finanziell honoriert», erklärt Walter Zuber. «Mit diesem Geld können wir die Landkäufe tätigen – die ordentlichen Mitgliederbeiträge werden nur für das Jahresprogramm des Vereins eingesetzt.» 

Dass diese unglaubliche Vielfalt an Tätigkeiten überhaupt möglich ist, ist einigen wenigen Zugpferden zu verdanken, die einen Grossteil ihrer Freizeit dem Naturschutz verschrieben haben. «Wir waren und sind ein gutes Team», sagt Walter Zuber, der zusammen mit den ehemaligen Präsidenten Mathias Da­nuser und Harald Cigler zu diesen Zugpferden gehört. «Aber ohne die vielen Helfer im Hintergrund und viele Mitstreiter in den Gemeinden wären die Erfolge nie möglich gewesen», betont er. Ohnehin ist genau dies das Erfolgs­rezept des Vereins: eine äusserst gute Vernetzung. «Wir haben ein sehr gutes Einvernehmen mit den Behörden», sagt Walter Zuber. «Und wir sind überall dabei, wo Weichen gestellt werden: in den Naturschutzkommissionen, den Vernetzungsprojekten und in anderen Gremien, die sich der Natur widmen.»

Bald wird der Verein seine Beziehungen erneut gebrauchen können: Auf dem Gebiet der Ölerde-Deponie wird demnächst eine hektarengrosse Kompostierungsanlage geschlossen. «Wir möchten, dass sich dort anstelle von Asphalt Biodiversität entwickeln kann», sagt Walter Zuber und lacht. Wieder eine Fläche mehr, und wieder ein Knoten mehr im «Naturnetz» 
Unteramt.

 

Stefan Bachmann ist Redaktor von Ornis.

 

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