100 Naturschutz-Projekte für den Kanton Zürich

ZVS/BirdLife Zürich startet die Kampagne 100xZüriNatur. Die Vielfalt der Vögel im Kanton Zürich ist am Schwinden – das zeigte die Brutvogelkartierung von 2006 bis 2008. Mit der Kampagne 100xZüriNatur will ZVS/BirdLife Zürich nun Gegensteuer geben. Am 15. November 2010 fiel der Startschuss zur Kampagne.


Erstmals seit den regelmässigen Erhebungen leben mehr Menschen als Brutvögel im Kanton Zürich: Rund 550 000 Brutvogel-Paare stehen rund 1,3 Millionen Menschen gegenüber. Dies ist das Ergebnis der von 2006 bis 2008 durchgeführten Zählung der Brutvögel im Kanton Zürich. Rund 250 ehrenamtliche Ornithologinnen und Ornithologen von ZVS/BirdLife Zürich waren hierzu über drei Jahre hinweg auf der Pirsch. Die Resultate liegen in weltweit einmaliger Genauigkeit für ein Gebiet von dieser Grösse vor; die Reviere aller Brutvögel lassen sich über die Webseite von ZVS/BirdLife Zürich auf einem beliebig wählbaren Kartenausschnitt punktgenau anzeigen.

Ein weiterer fundamentaler Befund der Brutvogelkartierung: Die Vielfalt ist am Schwinden. Häufige Arten breiten sich weiter aus, viele bereits heute seltene Arten könnten in den nächsten Jahren verschwinden. 

Aus den präzisen Grundlagen des Brutvogelatlas will ZVS/BirdLife Zürich mit der Kampagne 100xZüriNatur von 2010 bis 2015 kantonsweit mindestens 100 Arten- und Lebensraum-Förderungsprojekte durchführen. Ein ehrgeiziges Ziel, das nur in enger Zusammenarbeit mit seinen 111 Naturschutzvereinen in den Gemeinden realisierbar ist. Die Voraussetzungen sind gegeben – als Dachverband ist ZVS/BirdLife Zürich lokal ausgezeichnet verankert und kann auf ein Netz von Hunderten von aktiven Naturschützern zurückgreifen. 

Naturschutz auf drei Standbeinen 


100xZüriNatur will die Zürcher Natur auf drei verschiedenen Ebenen fördern. Bei den lokalen Aufwertungsprojekten lancieren die Sektionen von ZVS/BirdLife Zürich auf Basis ihrer Lokalkenntnisse und der Grundlagen der Brutvogelkartierung Naturschutzprojekte in ihren Gemeinden. Diese Projekte sollen eine gewisse Mindestgrösse haben oder Pioniercharakter aufweisen. Denkbar sind zum Beispiel Baum- oder Heckenpflanzungen, die Neuschaffung von Amphibien-Laichgewässern, die Ansaat von Blumenwiesen oder landwirtschaftliche Massnahmen in Vernetzungsprojekten. ZVS/BirdLife Zürich bietet den Sektionen bei der Umsetzung fachliche und finanzielle Unterstützung. 

Als zweites Element werden kantonsweite Jahresaktionen für mehr Natur sorgen. Um eine Breitenwirkung zu erzielen, sind möglichst viele der Zürcher Naturschutzvereine zum Mitmachen eingeladen. So unterstützt ZVS/BirdLife Zürich in der laufenden Jahresaktion mit seinen Vereinen die Gebäudebrüter Mauersegler und Mehlschwalbe (Vogel des Jahres 2010). Bis im März 2011 sollen mindestens 500 künstliche Nisthilfen für Mehlschwalben und Mauersegler montiert werden.

Weiter wird 2011 die «Aktion Spechtbaum» in Koordination mit der SVS-Kampagne «Biodiversität – Vielfalt im Wald» Höhlenbrüter im Wald fördern. Hierzu werden die Naturschutzvereine zusammen mit dem Förster wertvolle Höhlen- und Horstbäume suchen und markieren. Diese Bäume dürfen für Spechte, Fledermäuse und weitere «Untermieter» als Lebensraum stehen bleiben. 

Auf einer dritten Ebene stehen ausgewählte Brutvogelarten im Fokus. Für einzelne prioritäre Vogelarten wird ZVS/BirdLife Zürich kantonale Förderprojekte lancieren. Vordringliche Arten sind zum Beispiel Kiebitz, Lachmöwe, Flussseeschwalbe oder Braunkehlchen. Daneben wird sich der Verband in Aufwertungsprojekten für regionale Spezialitäten engagieren: Vogelarten, die in einer Region des Kantons ihren Verbrei­tungsschwerpunkt haben. Beispiele sind die Feldlerche im Zürcher Unterland oder die Rauchschwalbe im Hirzelgebiet. Diese Regionalisierung verfolgt der Verband bewusst, haben sich doch in den letzten 20 Jahren die Unterschiede in der Artenzusammensetzung zwischen den Regionen nivelliert. Regionstypische Arten sollen daher erhalten und gefördert werden, auch wenn oder gerade weil sie lokal (noch) häufig sein können!

Kampagnezvs Feldlerche Mschaef
© Mathias Schäf
Kampagnezvs Kiebitz Hglader
© Hans Glader
Eines der drei Standbeine bei der Kampagne 100x ZüriNatur ist die Artenförderung. In den ersten Jahren sollen insbesondere die Feldlerche (links) und der Kiebitz (rechts) in den Genuss von konkreten Massnahmen kommen.


Die Artenförderungsprojekte werden mit der nationalen Artenförderungsstelle des Schweizer Vogelschutzes SVS/BirdLife Schweiz und der Schweizerischen Vogelwarte sowie mit dem Kanton koordiniert.

«Sozialwohnungen» für Dachsener Mehlschwalben


Am 15. November fiel der offizielle Startschuss von 100xZüriNatur in Dachsen im Zürcher Weinland. An einer Medienkonferenz stellte ZVS/BirdLife Zürich die Kampagne den versammelten Vertretern von Presse, Radio und Fernsehen vor. Die Einweihung eines Schwalbenhauses symbolisierte mit viel Action den Kampagnenstart. Unter Beobachtung der Zürcher Medien setzte Regierungsrat Markus Kägi dem Mehlschwalbenhaus, medienwirksam mit dem Kran manövrierend, das Dach auf. Der Einsatz mit Kägi als Kranführer erwies sich als idealer Türöffner zur Berichterstattung über die Kampagne. 

Kampagnezvs Mehlschwalben

Lehrer Renato Winteler bastelte mit Schulklassen dekorative Mehlschwalben für den Startanlass. © ZVS/B/BirdLife Zürich


Die Dachsener Schüler brachten jugendlichen Schwung in den gesamten Anlass: Der Kinderrat überreichte Regierungsrat Kägi eine Mappe mit Vogelzeichnungen, eine weitere Klasse gab ein mehrstrophiges Schwalbenlied zum Besten. Das Kunstwerk wird den sichtlich gerührten Baudirektor an den Kampagnenauftakt und seine Verpflichtung als Botschafter von 100xZüriNatur erinnern. 

Schuelerchor

Am Startanlass von 100x ZüriNatur trug eine Dachsener Schulklasse ein mehrstrophiges Lied über Schwalben vor. © ZVS/B/BirdLife Zürich


Ein Musterprojekt


Die Idee für ein konkretes Projekt zu Gunsten der Natur in Dachsen ging von Gemeindepräsident Daniel Meister aus. Zum Internationalen Jahr der Biodiversität sollte eine Naturschutz-Aktion stattfinden. Der Natur- und Vogelschutzverein Dachsen nahm den Ball dankbar auf, und kurz darauf war die Idee eines Schwalbenhauses geboren. Die Schulgemeinde stellte den Platz auf dem Schulhausgelände gerne zur Verfügung. Die Gemeinde wiederum übernahm grosszügig die Kosten für das Schwalbenhaus. 

Diese Konstellation konnte ZVS/BirdLife Zürich nutzen: Die Aufrichte des Schwalbenhauses bot eine spannende Kulisse für die Lancierung von 100xZüriNatur. Der Verband hat die Nisthilfen zum Schwalbenhaus beigesteuert und den Startanlass mit dem Dachsener Verein zusammen organisiert. Diese fruchtbare Zusammenarbeit zwischen lokalem Naturschutzverein, der politischen sowie der Schulgemeinde und ZVS/BirdLife Zürich ist ein Musterbeispiel für ein erfolgreiches 100xZüriNatur-Projekt.  Auch wenn die Schwalben als künftige Mieter irgendwo im Süden weilten: Es war ein gelungener Kampagnenstart.

ZVS/BirdLife Zürich dankt allen Sektionen, die bereits jetzt aktiv am Planen von Projekten sind, und ist überzeugt: Diesen Elan der Startveranstaltung nehmen wir mit und setzen ihn um in wirkungsvolle Projekte zu Gunsten der Zürcher Natur!

 

Mathias Villiger leitet bei ZVS/BirdLife Zürich die Kampagne 100xZüriNatur.

 

Zürcher Vogelfinder


Die Resultate der Volkszählung der Zürcher Brutvögel sind für die Öffentlichkeit im Internet abrufbar. Auf dem Zürcher Vogelfinder lässt sich detailliert herausfinden, welche besonderen Arten in der Gemeinde und rund um das eigene Haus brüten. Der Zürcher Vogelfinder steht auf www.birdlife-zuerich.ch zur Verfügung. 

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